Vorgehen gegen Jugendgewalt in der Stadt Aarau

28. April 2006

Vor zwei Monaten wurde im Aarauer Einwohnerrat das Thema Jugendgewalt diskutiert. Dies nachdem Ende Februar ein mutmasslicher Fall von 'Happy Slapping' am Aarauer Bahnhof stattgefunden hatte. Die JFDP Aarau-Lenzburg unterstützt die vom Stadtrat vorgeschlagenen Massnahmen.

Stadtrat Rudolf Zinniker, Ressortinhaber Polizei, informierte anlässlich der Einwohnerratssitzung vom 27.02.06 über Massnahmen, die seit September 05 getroffen wurden: Die Polizeipatrouillen in den Problemnächten Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag wurden aufgestockt, die Personenkontrollen bei Jugendlichen am Bahnhof und in der Stadt ausgedehnt. Auch das Modell der 'Bahnhofspatenschaft' (von den SBB entwickeltes Konzept, bei welcher speziell geschulte Einwohner in Zweierteams patrouillieren) werde zur Konfliktberuhigung in Betracht gezogen. Zudem schloss er nicht aus, dass die Stadtpolizei gegebenenfalls aufgestockt werde, falls das Problem trotz Gegenmassnahmen längerfristig ungelöst bleibe. Sowohl im Protokoll der Einwohnerratssitzung als auch in vielen Medienberichten der letzten Zeit tritt jedoch eine Haltung auf, die all diese Anstrengungen zunichte zu machen droht: Eine Entschuldigung der Täter und eine zu starke Fixierung auf Prävention als Allheilmittel von linker Seite. Artikel 10 unserer Bundesverfassung garantiert jedem Menschen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Bewegungsfreiheit. Eine Verletzung dieses Rechts wiegt allein wegen der Tatsache, dass ein Täter aus einer unteren sozialen Schicht kommt und möglicherweise unzufrieden ist, keinen Deut weniger schwer. Es ist gefährlich, dies als Quasilegitimation heranzuziehen – schliesslich dürfen wir Opfer- und Täterrollen nicht vermischen!
Die Prävention ist zwar ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Jugendgewalt, jedoch macht es einen Unterschied, ob in einem Schulzimmer Konfliktbewältigungsstrategien geübt werden oder ob man auf der Strasse, evt. infolge Gruppendrucks, in einen Konflikt verwickelt wird. Und schliesslich darf auch bezweifelt werden, ob Prävention, die auf Freiwilligkeit basiert, überhaupt viel bewirken kann – lassen sich potentielle Schläger doch kaum darin einbinden. Die JFDP Aarau-Lenzburg begrüsst deshalb die Vorgehensweise des Stadtrats – die nebst Prävention auch auf repressive Massnahmen setzt – und fordert, dass die guten Ansätze nicht von linker Seite aufgeweicht werden.