| Offener Brief zur geplanten Abwertung des Fachs "Wirtschaft und Recht" im Gymnasium |
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04. Februar 2011  Sehr geehrter Herr Regierungsrat Gleichermassen erstaunt wie ernüchtert nehmen wir vom heutigen Artikel der „Aargauer Zeitung“ zur geplanten Abwertung des Faches „Wirtschaft und Recht“ an den Aargauer Kantonsschulen zur Kenntnis. Ihr Departement schlägt vor, in der Stundentafel für Gymnasien ab 2012 dem Fach „Wirtschaft und Recht“ eine weitere Stunde zu streichen und es in der 1. Klasse komplett aus dem Stundenplan zu entfernen. Dies, nachdem das Fach bereits 2003 – gerade vier Jahre nach Einführung des MAR – bereits einmal zurückgestuft wurde.  Mit der „Staatskunde-Initiative“ haben die jungfreisinnigen aargau unlängst ein Ausrufzeichen gesetzt, um sich gegen diese Tendenz entschieden zur Wehr zu setzen und die Allgemeinbildung in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Recht zu stärken. Leider werden der Allgemeinbildung dienende Fächer, wozu „Wirtschaft und Recht“ eindeutig gehört, immer mehr marginalisiert. In der Oberstufe existiert kein Fach, das über die Kapazität verfügen würde, diesen Bereich auch nur annähernd abzudecken. Der Lehrplan im Fach Geschichte, das inhaltlich am ehesten infrage käme, ist erfahrungsgemäss ohnehin hoffnungslos überladen. Es ist alarmierend, dass eine beträchtliche Prozentzahl der künftigen gesellschaftlichen „Elite“ fast oder gar keine Kenntnis über ökonomische Zusammenhänge hat – trotz gymnasialer Bildung! Es ist aber vor allem alarmierend, dass die Entscheidungsträger in der Umsetzung der Bildungspolitik offenbar nicht sehen wollen, wie entscheidend eine Förderung des umgangssprachlich unter „Allgemeinwissen“ gefassten Bereichs ist. Wie sollen Jugendliche und junge Erwachsene ein Interesse an Gesellschaft und Politik entwickeln, wenn ihnen grundlegende Inhalte darüber niemals vermittelt wurden und entsprechende Kenntnisse fehlen? Eine breite Bildung sowohl im geistes- wie naturwissenschaftlichen Bereich ist entscheidend, ohne Zweifel. Was nützt jedoch eine Detailkenntnis über Grammatik, Algebra oder bipolare Moleküle, wenn das Rüstzeug für das Erwachsenenleben und die Pflichten und Verantwortungen als Bürgerin oder Bürger fehlt? Zusammenfassend halten wir fest, dass wir mit Besorgnis die weitere Abwertung von „Wirtschaft und Recht“ zur Kenntnis nehmen. Die Zustimmung zur vorläufigen Sistierung der „Staatskunde-Initiative“ fusste im Wesentlichen auf das Vertrauen, dass sich das BKS für eine Stärkung von Fächern zur Förderung von Wissen in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik einsetzt. Eine Reduktion der Lektionenzahl von „Wirtschaft und Recht“ geht exakt in die entgegengesetzte Richtung. Wir bitten Sie, dies im weiteren Verlauf der diesbezüglichen Debatte zu beachten. Für Ihre wohlwollende Kenntnisnahme danken wir Ihnen bestens.
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